Beiträge von Österreicher

    Ich hab Werks-Wartburgs leider nur einmal live erleben können, bei einer Akropolis-Rallye Mitte der 80er-Jahre. Egon ist damals auch gefahren, kann ich mich erinnern. Was mir im Kopf geblieben ist, als ich vor einer SP durch's Service gegangen bin, hab ich mit dem einsamen Wartburg-Mechaniker reden können, der dort irgendwo in Zentral-Griechenland gewartet hat. Er hat sich erst einmal in alle Richtungen umgeschaut, ehe er was gesagt hat. Versteh ich auch. Er hatte offenbar Angst, dass irgendein Stasi-Informant einen falschen Eindruck gewinnen könnte, wenn er mit einem Deutschsprachigen redet - und sei es ein Österreicher. Es war nur seltsam, dass die Tschechoslowaken und sogar die Sowjets nie so ängstlich waren, wenn man was Sportbezogenes gefragt hat (und über Politik wollte ich sowieso nicht reden). Ich kann mich an eine Pressekonferenz vor einer Tatry-Rallye erinnern, wo ich der einzige West-Journalist war. Der Chef des sowjetischen Nationalteams hat mir freundlich die Hand geschüttelt und in gutem Deutsch gesagt, dass ich jederzeit Fragen an die Fahrer und über das Team stellen könne. Auch Interviews jederzeit. Und wenn er mir helfen könne, solle ich mich einfach melden. Die Fahrer waren allerdings allesamt Esten, Letten und Litauer, keine Russen.

    Mich wundert eher, dass der Co als Flame überhaupt Französisch sprechen will. Ich kenne ein paar flämische Profi-Radfahrer, die reden selbst mit französischen Journalisten nur englisch, weil sie Französisch zwar können, aber es einfach nicht sprechen wollen. Und genug Flamen reagieren in ihrem Landesteil nicht mal, wenn man sie auf Französisch anredet. Aber die beiden könnten es ja auch auf Englisch versuchen. Finnen mit schwedischen Copiloten (schwedische Staatsbürger, Schweden aus Finnland wie Marcus Grönholm können ja finnisch) haben das immer auf Englisch gemacht. Hannu Mikkola mit Arne Hertz beispielsweise.

    Amateur ist für mich jeder, der neben Rallye fahren beruflich noch was ganz anderes machen muss, um seinen oder ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder genug Geld verdient hat, um es sich aus eigener Tasche leisten zu können. Die Alternativen sind "Profi" (mit Gehalt), Teambesitzer die zusätzlich auch selbst (zumindest gelegentlich) fahren und "Sohn/Tochter" (reicher Eltern die die Einsätze bezahlen und den Lebensunterhalt finanzieren).

    Nach den Ankündigungen von Seiten der Politik vom letzten Wochenende hat mich die Absage vom Rebenland und die (vorläufig noch) Verschiebung vom Lavanttal in keinster Weise überrascht. Alles andere hätte mich sogar gewundert. Kein vernünftiger Veranstalter lässt sich ohne Planungssicherheit auf etwas ein. Schließlich geht es um einen Haufen Kohle. Und (theoretisch) ohne Zuschauer braucht man gar nicht erst ernsthaft anfangen, weil Sponsoren (selbst die Kleinsten, die 500 Euro hergeben) logischerweise wollen, dass ihre Firmen-Logos gesehen werden, sonst werden sie vom Sponsor zum Mäzen und ich bin mir nicht sicher, ob Mäzenatentum im Sport von der Steuer abgeschrieben werden kann. Dazu kommen geschlossene Gastronomie und geschlossene Beherbergungsbetriebe. Wo sollen die Teams und Funktionäre (kommen ja nicht alle aus der Gegend) übernachten? Wie soll eine Rallyeleitung funktionieren, wenn man einander offiziell gar nicht treffen darf, ausgenommen Arbeitsplatz (und die Regierung sieht eine Rallyeleitung wohl kaum als Arbeitsplatz an)? Und ohne Zuschauer, die ja Geld in die Region bringen, hat auch die Region kaum Interesse irgendwie zu helfen, weil was soll ihr das bringen? Insofern befürchte ich, dass der Strohhalm, an den sich die Blaufränkischland-Veranstalter im Moment zu klammern versuchen, eine Chimäre ist. Ein Pilot hat mir vor ein paar Tagen am Telefon erklärt, dass er sich mit seinen Kumpeln in der Region bereits einig ist, sicher so lange keine Lizenz zu lösen, ehe nicht Planungssicherheit für die Aktiven herrscht. Und warum sollte jemand für die Blaufränkischland eine Nennung abgeben, wenn er nicht mal ein Zimmer buchen kann und selbst wenn er es könnte, nicht weiß, ob er nicht für jeden im Team ein Einzelzimmer braucht (= Kontaktverbot für Leute, die nicht aus dem gleichen Haushalt kommen)? Denn ob man das kann, wird wohl erst nach Nennschluss von der Politik bekannt gegeben werden. Mit der Tendenz wohl eher auf nein, mindestens bis Ostern. Aber bei unserem tragikomischen politischen Kasperltheater wohl auch noch den ganzen April.

    Also wenn Profiteams das Sportgesetz nicht kennen, ist ihnen leider nicht zu helfen. Dass ein "Gruppenprotest" nicht zulässig ist, das war schon vor 40 Jahren so und ist daher ein ganz alter Hut. Das mit dem Scheck kommt mir auch etwas komisch vor, denn meines Wissens sind Schecks in Europa überhaupt nicht mehr üblich und zweitens wird bei einem Protest - jedenfalls bei uns - nur Barzahlung akzeptiert. Ein Scheck kann ja auch nicht gedeckt sein, wie soll man das an einem Wochenende überprüfen können? Und wenn der Protest abgelehnt wird, der Scheck eingehalten und dann ist er nicht gedeckt, speziell bei einem Ausländer? Das würde Unmengen Bürokratie nach sich ziehen. Bei Berufungen gilt üblicherweise Cash oder Banküberweisung, wobei das Geld innerhalb von 48 Stunden auf dem Konto eingelangt sein muss. Generell handelt es sich um eine Sache, um die sich bei kleinen Rallyes nur Konkurrenten kümmern würden, die sich unbeliebt machen wollen, verboten hin oder her. Ich hab's erst im September in Slowenien erlebt, da hat einer seinem direkten Konkurrenten in der Klasse nach dem Ziel der letzten WP sein Ersatzrad geborgt, weil der (wegen zweier Platten und natürlich nur einem Ersatzrad) sonst die ziemlich schwierige Schlussetappe ins Ziel nicht geschafft hätte. Keinen hat's gekümmert. Und das war gut so. Zumindest hier gehen wir so miteinander um. Waren beides Österreicher, die einander bis dahin nicht einmal gekannt hatten, weil der generöse Helfer seine erste Rallye gefahren ist.

    Wäre mir da nicht so sicher. Einfachste Variante...Zuschauersperrzone entlang der gesamten WP`s auf einer Breite von sagen wir mal links und rechts 100m... entsprechend genehmigt, gekennzeichnet oder gar abgeflattert...und schon ist der Sportwart in dem Bereich weisungsbefugt!!


    Ganz ehrlich, kilometerlang Absperrbänder in einem Wald zu spannen ist unmöglich. Schon allein zeitmäßig. Vom Personal will ich mal gar nicht reden. Und ein Anrainer (= Bauer oder was auch immer) auf seinem Privatgrund kann im Prinzip sowieso stehen, wo er will. Aber kommen wir mal runter. Vermutlich werden eh nicht viele kommen. Nur dass speziell Anrainer und Einheimische irgendwo stehen werden, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Der Rundkurs-Start ist noch im Ortsgebiet mit Häusern daneben.

    @Östertreicher genau solche Leute wie dich braucht im Moment jeder Veranstalter.. ist es so schwer einfach mal den GESUNDEN Menschenverstand einzuschalten??


    Wenn man irgendwo in der Wildnis spazieren geht, steckt man keinen an. Das hab ich im Frühjahrslockdown auch tagtäglich gemacht. Was die Presse betrifft, übrigens Kommando tlw. zurück. War nur eine extreme Einschränkung, aber keine Totalablehnung. Es scheint also doch halbwegs ernsthafte Berichterstattung zu geben. Glücklicherweise. Damit die Daheimbleibenden zumindest erfahren, was los war. Und genug Leute interessieren sich ja nicht nur für die Top-3 in den R5.

    Natürlich hat man wegen rund 210 Gramm keinen Wettbewerbsvorteil. Wenn Fahrer oder Co in der Früh nicht auf's Klo gegangen sind, sind die 210 Gramm mehr als ausgeglichen. Aber es ist schon klar, zu leicht ist zu leicht. Nur wurde man früher ausgeschlossen (Ich erinnere mich da an Peugeot in Argentinien mit den Schwungscheiben, die um glaube ich 100 Gramm zu leicht waren (Homo-Gewicht 6000 Gramm), weil man vergessen hatte, in der Homologation eine Toleranz dazuzuschreiben). Aber heute geht's bei der FIA nur mehr um Geld.

    Nur wer sich dort oben auskennt und das sind ziemlich viele Leute (von Anrainern will ich gar nicht reden), wird sich von niemandem hindern lassen. Da müsste man jede Zufahrt und jeden Zugang (über Wiesen oder durch den Wald beispielsweise) kilometerweit mit Polizei absperren. Denn selbst wenn man Personal hätte: Die hätten nicht das Recht, irgendjemanden daran zu hindern irgendwo auf nicht irgendwie abgesperrten öffentlichem oder selbst bäuerlichem Grund abseits einer öffentlichen Straße herumzustehen oder in einer Wiese 20m neben der Straße herumzugehen und offiziell sagen wir mal Mauselöcher zu zählen. Egal wo die Person herkommt. Oder im Manhartsberg-Wald Pilze zu suchen. Ich werde jedenfalls oben sein. Um Details kümmer ich mich am Wochenende vorher bei einer Spezialbesichtigung.
    P.s.: Es sind übrigens nicht nur Zuschauer offiziell nicht zugelassen, auch die gesamte Presse ist seit heute offiziell unerwünscht.

    Völlig neutral kommentiert: Es sollte aber schon jeder ruhig denkenden Person klar sein, dass man Zuschauer nicht verhindern kann. Die WP sind bekannt und in der freien Natur, insbesondere in einem Wald ist es völlig unmöglich zu verhindern, dass irgendwo jemand herumsteht, auch mehrere Leute. Wer zuschauen gehen will, wird einen Weg finden. Egal was die Politiker sagen. Es ist schließlich nicht möglich, jemanden daran zu hindern, einfach irgendwo "spazieren zu gehen und die Natur zu genießen", solange es sich um öffentlichen Grund (und vor allem einen Wald) handelt.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass man bei der relativ bescheidenen Leistung damit schneller sein kann als mit einem über 100 PS stärkeren alten Gruppe A-Evo (oder auch einem optimalen Gr. N-Evo IX), auch wenn der 200 kg mehr wiegt. Vom Preis will ich gar nicht erst reden. Aber lassen wir uns überraschen.

    In der Türkei tut man sich mit so was ja leicht. Dort besteht ja durchaus die Gefahr, dass man als Terrorist oder Putschist verhaftet und ewig eingesperrt wird, wenn man es wagen sollte, auch nur in die Nähe einer SP zu kommen. Mit solchen Begründungen ist man dort ja schnell bei der Hand.

    Also ich denke nicht, dass auf Nicht-FIA-Ebene solche Autos die Masse an Lancern und Imprezas ernsthaft ersetzen wird. Einfach deshalb, weil die alten Gruppe N-Autos (auch regional mit größerem Restriktor) mit Sicherheit weiterhin wesentlich günstiger im Betrieb sein werden. Gilt auch für die OpenN-Autos, also Evo-Technik-Autos mit WRC-ähnlicher Karosserie einer anderen Marke.

    Solange eine Rallye nicht ausschließlich auf umzäuntem Privatgelände durchgeführt wird, ist es in der Praxis unmöglich, Zuschauer fernzuhalten. Von Anrainern entlang der Strecke angefangen (die dann womöglich anfangen würden, gegen einen kleinen Obolus ihre privaten Vorgärten für Fans zu öffnen) bis hin zu findigen Fährtensuchern, die immer einen Weg zur Strecke finden würden, im Wald beispielsweise. Und Tips wo und wann genau was läuft, würde man bei aller Geheimhaltung recht bald auf Facebook und Twitter finden. Notfalls auch erst in den Stunden vor dem Start.